Hallo meine Lieben!
Nun stelle ich euch das Projekt vor, an dem ich seit einigen Jahren arbeite. Leider habe ich seit ein paar Monaten eine massive Schreibblockade und komme an einigen Ecken und Enden nicht weiter. Darum stelle ich euch hier vor, was ich bis jetzt habe. “Provehito in Altum”, was auf Latein sowohl “sich in die Höhen erheben” als auch “in die Tiefe hinabsteigen” bedeuten kann. Viel Spaß mit Lewis, Lucy & Co, meinen etwas selbstzerstörerischen aber dennoch liebenswerten Hauptcharakteren. Ich werde in regelmäßigen Abschnitten die einzelnen Kapitel hochladen und beginne, wie man das so macht, mit dem Prolog.
Vorwort
„Jetzt stehe ich vor euch. Vor euch, die ihr mich zerschlagen habt, wie einen Spiegel.
Aber nicht euch verfolgen sieben Jahre Unglück.
Ihr seid das Gift, das durch meine Venen gepumpt wird und die Sonne, die mich austrocknet. All die Jahre, die ich von euch belogen wurde, sollten euch gelehrt haben, dass das, was ich am meisten liebte, immer der Hass war.
Ihr habt niemals versucht, mich zu verstehen. Ihr saht mein Äußeres, das euch ängstigte und habt es nicht geschafft, durch die Hülle zu blicken.
Ihr habt euch nie gefragt, warum ich es schön fand, das Blut der anderen zu sehen. Bis es zu spät war – und jetzt blute ich selbst aus meinem weißen, kalten Arm.
Also mache ich euch wieder eine Freude. Nicht genug, dass ich jahrelang als euer Boxsack diente, nun mach ich mich heimlich und leise aus dem Staub.
Ich verschwinde.
Lewis Lemontree“.
Er hatte seinen eigenen Abschiedsbrief mit spröder, heiserer Stimme vorgelesen, denn zu mehr war er nicht mehr in der Lage. Die Buchstaben auf dem blutigen Fetzen verschwammen vor seinen Augen als wäre er betrunken. Aber es war eine andere Art von Rausch. Blutrausch.
Bald würde alles vorbei sein. Nicht mehr lang.
Er legte den Brief neben den cremefarbenen Rand der Badewanne und stützte die kalte Stirn in die Hand. Die bleichen Finger der Rechten zitterten, während die Linke ruhig im warmen Wasser lag. Wie ein totes Tier. Ein totes Tier, aus dem Blutwolken ins Wasser stoben. Eine Gänsehaut zog sich von seinen Schultern zu seinen Armen hinab. Er spürte die Wärme des Wassers ebenso wenig wie den Schmerz in seiner Hand, denn der in seiner Brust war stärker. Er lehnte sich zurück. Das Wasser schwappte gegen seinen Körper und leckte noch mehr von der hellroten Flüssigkeit aus ihm heraus.
Wie eine Süßigkeit…, dachte er, blickte in das grelle Licht der Neondiode an der Decke, um die eine summende Fliege kreiste, und betete, dass er tief genug geschnitten hatte.
