Seine Schritte werden leiser, je weiter er sich entfernt. Er ascht ab und mit der Asche gehen seine Gefühle. Fallen zur Erde. Dazwischen ein paar Tabakkrümel. Die Zigarette ist schlecht gestopft. Kein Blick zurück, denn es gibt keine Vergangenheit. Kein Blick vorwärts, denn es gibt keine Zukunft. Nur Menschenmonster, wie er selbst eins ist, wie er selbst nicht anders kann, als eins von ihnen zu sein, wofür er sich hasst. Wie er diese Spezies hasst, wie er die kleine Gestalt hasst, die er zurücklässt.
Die Brille auf der Nase, die Hände schiebt er in die Hosentaschen. Lässt sie dort, denn was kann er mit diesen Händen schon ausrichten? Lauscht in sich hinein, lauscht vergebens nach irgendeiner Form von Verlangen. Nicht heiß, nicht kalt, kein Hunger, kein Durst, keine Lust, keine Liebe, keine Freude, keine Trauer, nur Hass. Blanker, kühler Hass. Und wie er das alles hier satt hat.
Jeden Tag, dieselben Bäume, jeden Tag dieselben Häuser, jeden Tag dieselben Produktionsfaktoren, dieselben Kapitalisten.
Er erinnert sich nicht, an die alten Zeiten, wie sie da saßen und rauchten und gemeinsam die Menschheit verfluchten und vielleicht ein wenig tranken und sich wünschten, dass ihre Rasse von einem riesigen Feuerinferno vernichtet würde.
Sein Herz ist Asche, sein Blut Kaffee, der Kopf leer und voll zur gleichen Zeit. Leer, weil er nichts mehr sehen will, seine Augen verschließt.
Ich will einfach keinen Menschen mehr sehen, wie er eben fast genau Alexander Kaschte zitiert hat. Aber nicht einmal daran denkt er. Das ist aus, das ist vorbei, das ist Schluss.
Den Bruchteil eines Augenblicks steht sie da, wie gelähmt, dann sinkt sie auf die Knie und schließlich liegt sie flach am Boden. Kurz vor der Ohnmacht, kurz vorm Erbrechen.
Der erste Gedanke ist keiner, der Zweite ist Verzweiflung.
Sie liegt und die Leute gehen an ihr vorbei, lassen sie liegen. Keiner bleibt stehen, keiner hilft ihr hoch, keiner fragt, was los sei.
Das Feuer in ihren Augen, das grüne Feuer, erloschen, der letzte Lichtblick, der letzte Hoffnungsschimmer ist weg, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Lebwohl.
Und sie denkt an die Ironie des Ganzen, obwohl sie gleichzeitig an gar nichts denkt.
Lauscht in sich hinein, nach irgendeiner Form von Verlangen. Findet Sehnsucht, findet den Wunsch nach Liebe und heftiger als alles andere Müdigkeit. Vom Leben.
Der erste Gedanke ruft nach Selbstmord, der Zweite auch.
Langsam kommt sie auf die Beine. Wackelige, kurze Beine. Kurzer Mensch. Sowieso… Mensch.
Sie hätte sich ja ändern können – wenn ihm ihre Art nicht gepasst hätte, wenn sie irgendeinen komischen Tick gehabt hätte. Aber dass sie ein Mensch war, dagegen konnte sie nichts tun und das war der ausschlaggebende Grund, weshalb er sie nicht mehr haben wollte.
Machtlos. Hilflos. Gottlos.
Ich will einfach keinen Menschen mehr sehen.
Für die Schritte zu den Feldern braucht sie keine Kraft, denn die Klinge verspricht, es sollen die Letzten sein.
Mensch oder nicht, im Tod sind wir alle gleich.

